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gaOP Erfahrungsbericht (3)

Geschlechtsangleichende OP / Dr. Klotz
Weiden in der Oberpfalz, 17.01.2005

Meine Geschichte

von Michelle

Alles begann vor knapp 16 Jahren. Da war ich gerade 13, als mir zum ersten mal bewusst wurde, was ich von mir und meinem Leben erwartete.
Ich wurde als Mann geboren, in einem Körper, den ich nicht wollte.

Tief in mir wusste ich, dass ich eine Frau bin. Also ließ ich meine Haare wachsen, kleidete mich mehr und mehr feminin. Und meine Passänderung war auch ein leichtes, da ich mit den Gutachtern, die man ja „leider“ braucht, sehr gut zurecht kam.

Und Ende November `04 war es dann soweit: meine Operation stand kurz bevor.

Es war am frühen Abend des 21.11.ten, als ich in der Klinik in Weiden in der Oberpfalz, eintraf. Ein trüber, verregneter Sonntag…
Ich bezog mein Zimmer, verstaute meine Kleidung im Schrank und setzte mich erst einmal aufs Bett. Der „Einzug“ war also geschafft. Ich bekam etwas später Abendessen, dass zu meinem Erstaunen recht gut schmeckte. (Das ewige Vorurteil mit dem Krankenhausessen war somit aus der Welt…)

Nach dem Essen kam einer der vielen Ärzte zu mir, dessen Namen ich beim besten Willen bis heute nicht aussprechen kann, und klärte mich über mögliche Risiken auf. Das war dann also mein erster Tag in der Klinik. Ich langweilte mich zu tode, sah noch ein wenig Fern und irgendwann machte ich endlich die Augen zu…

Geweckt wurde ich recht früh, als die Visite kam (Was wollten die vielen Leute von mir, mir ging es doch noch gut…???). Der Montag gestaltete sich auch recht gemütlich. Ein Gespräch mit dem Narkosearzt, dann Essen… Am Nachmittag hatte ich dann noch ein Gespräch mit Dr. K., er sollte die OP am nächsten Tag bei mir vornehmen. Er nahm mir ein wenig meine Angst, die ich trotz allem hatte, und zeigte mir auf meinen Wunsch hin Bilder einer Operation MzF.

Die Nacht vor der OP war kurz, ich lag lange wach und dachte an alles Mögliche.
Um sechs Uhr früh wurde ich dann geweckt. Mitten in der Nacht!!!!

Ich „durfte“ Thrombose-Strümpfe anziehen und dann noch so ein schickes Hemdchen…
Nach zehn Minuten (kam mir wie zehn Stunden vor…) wurde ich dann komplett mit meinem Bett in Richtung Operationssaal gefahren. Dort angekommen musste ich auf den OP-Tisch „umsteigen“.
Da lag ich nun… Mein Kopf war irgendwie leer, obwohl gerade in diesem Moment hätte ich an mein „neues“ Leben denken müssen… Nach ein paar Minuten wurde die Narkose eingeleitet, dann war ich auch schon weg…

Knapp acht Stunden später wurde ich wach. So halbwegs zumindestens.
Müde, orientierungslos und schwach lag ich da. So sehr ich mich auch bemühte – meine Umgebung nahm ich nur schemenhaft wahr. Was sich auch um mich herum bewegte, ich konnte es nur hören. Ich schlief wieder ein…

Irgendwann, es muß so gegen 22 Uhr gewesen sein, wurde ich wieder klarer im Kopf. Nach einer fast schlaflosen Nacht (irgendetwas piepte bei jeder Bewegung…) wurde ich am frühen morgen von einer Schwester geweckt. Sie teilte mir mit, dass alles in bester Ordnung sei und ich mich auf der Intensivstation befände. Ich wurde gewaschen und wir unterhielten uns recht gut miteinander. Zu meinem Erstaunen war ich zwar müde, aber nicht halb so benebelt, wie ich es mir ausgemalt hatte.

Später kam dann Dr. K.mit seinem Team um nach dem rechten zu sehen. Ich konnte mehr als zufrieden sein. Aber am wichtigsten war, dass ich endlich ein Glas Tee zu trinken bekam.
Gegen Mittag wurde ich dann wieder in mein ursprüngliches Zimmer „verfrachtet“.
Dort angekommen war ich auch schon wieder am einschlafen.
Die wenigen Stunden, in denen ich wach war, telefonierte ich mit meinem Liebsten oder dachte über die vielen Hürden der vergangenen Jahre nach…
Ein bisschen Stolz war ich schon, den „letzten“ Schritt hinter mir zu haben.

Vertieft in diese Gedanken wurde ich ganz plötzlich hellwach!! Da war doch noch was…
ENDLICH kümmerte ich mich mal um meine Untere Körperhälfte!!
Mit einem Ruck schlug ich die Decke zur Seite. Da war ein Verband – fest und schneeweiss.
Der Verband war nicht halb so „gigantisch“, wie ich es mir vorstellte.
Einen Katheter hatte ich in der Harnröhre, einen zweiten durch die Bauchdecke in der Blase.
Außerdem zwei Drainagen, eine links, die andere rechts im Schamhügel. Sah alles in allem doch ganz ordentlich aus.

Die Schmerzmittelpumpe, die ich noch auf der Intensivstation bekam, ließ ich am dritten Tag entfernen. Schmerzen hatte ich nur beim Lachen oder bei schnellen Bewegungen. (Wenn man von schnell reden kann…)

Auch das Aufstehen wollte gelernt sein. Ein Pfleger und zwei Schwestern waren vonnöten, um mich nach den ersten drei Schritten wieder aufzurichten. Mein Kreislauf… Trotzdem lag ich danach grinsend im Bett – meine ersten Gehversuche!!
Aber mit jeder Stunde ging auch das immer besser.
Dann kam Tag fünf – Verbandswechsel!!
Was war ich aufgeregt. Zu meinem Erstaunen tat das Entfernen des Verbandes nicht im geringsten weh.
Ich freute mich zu früh!! Die Drainagen wurden gezogen. Die erste ging so mit einigem ziehen, die zweite… Noch heute wird über meine „Arien“ gesprochen…J

Von da an ging es aufwärts. Ich unternahm jeden Tag immer längere Ausflüge in den Klinik eigenen Garten. Mir ging es von Tag zu Tag besser.
Am neunten Tag wurde der Harnröhrenkatheter entfernt und einen Tag später der in der Blase. Mit dem „Spiel“ auf der Toilette klappte es erstaunlich gut.

Dann wurde mir noch gezeigt, wie ich mit dem Stent umzugehen habe, damit das neue Kunstwerk auch erhalten bleibt. Nach zwei Wochen habe ich zu einem Dildo gewechselt. Auch das klappt einwandfrei.
Nach zwei Wochen Klinik wurde ich schließlich entlassen.
Hier und da hatte ich schon noch ein wenig ziehen oder auch stärkere Schmerzen. Aber alles in vertretbarem Maß.

Jetzt, nach knapp 8 Wochen kann ich nur sagen, dass ich es jederzeit wieder machen würde. Besonders hervorheben möchte ich, dass Herr Dr. Klotz auch menschlich ein Ass ist. Das hat meinen Aufenthalt um einiges erleichtert.

In den nächsten Wochen werden noch die Nach-OP und der Brustaufbau stattfinden.

 

Zu diesem Bericht stehen OP-Bilder zur Verfügung.

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