Home / Der lange Weg zur Weiblichkeit

Der lange Weg zur Weiblichkeit

Outing – DER LANGE WEG ZUR WEIBLICHKEIT

Zeitungsausschnitt einer Lokalzeitung in L.
mit freundlicher Genehmigung von E.

 
E.S. möchte endlich eine Frau sein.
Hormonbehandlung begonnen.
Auf dem Klingelschild steht: E.S.

 
Lange Jahre stand das E.für Edwin. Nun soll Eva daraus werden. Dafür sorgen weibliche Hormone und nächstes Jahr eine Totaloperation. Bis dahin ist es noch weit.

Noch weiter ist der Weg, den E.S. schon hinter sich hat. Er habe sich nie als Junge gefühlt. Nach dem Sportunterricht vermied er das gemeinsame Duschen. Mit 11 Jahren hat er sich das erste mal einen Rock angezogen. Alle haben gedacht:“ Bei einem Kind sagt doch keiner was“ erinnert er sich. Der erste „Total-Crash“ sei während der Pupertät gekommen. Der Körper veränderte sich, und zwar in eine Richtung, die E. gar nicht gut fand. Ich habe abends im Bett gelegen und mir gewünscht, dass am nächsten Tag alles vorbei sei „, sagt er und die Ketten um den Hals tanzen dazu. Noch ist E. beides. Neben den feinen Ohrsteckern schimmert noch der Bartwuchs durch. Im Flur stehen Damen und Herrenschuhe. Die Kleidung ist geschlechtslos. T-Shirt und Hose wie jede Frau, jeder Mann sie tragen kann. E.  will nicht auffallen, aber sich auch nicht mehr verstecken. Am wenigstens vor sich selbst. „Ich habe mich 36 Jahre verleugnet“.
Immer wieder hat er sich vorgenommen: Jetzt bin ich ein richtiger Mann. Er schmiss die Frauenkleider weg, lachte sich eine Freundin an, begann eine Lehre als Lagerrist. Die Innere Stimme war nie lange stumm. Und wie in einem schlechten Film wurde er eines Abends in neuen Frauenkleidern von seiner Freundin erwischt…“Das war so entwürdigend. Für beide Seiten“, so E. heute. Zwischen dem männlichen Leben und dem weiblichen Gefühl hat er sich lange zerrieben. Der Psyche wurde schwindelig bei dem Wechselspiel. Die Freunde gingen und die Bierchen kamen. Gelebt habe er nicht mehr, vegetiert allerhöchstens. 30 Jahre war er, als E.sich zum allerersten Mal öffnete, und zwar seiner Stiefmutter. Verständnissvoll habe die reagiert, aber sie habe natürlich nicht ihren Mund halten können. Das ärgerte ihn, aber vielleicht gab es auch den Anstoß, endlich aktiv zu werden. E. suchte sich eine Frauenärztin. Die erste Hormonbehandlung begann. „Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben richtig wohl gefühlt“, erinnert sich nun E. Endlich hatte der Mann begonnen, sein Äußeres dem Inneren anzupassen.

Das Glück währte nur kurz. Als Frau wurde E.in Hagen zusammengeschlagen. „Ob der Grund die Transsexualität war, weiß er nicht.“ Das Ergebnis zählte. Sofort brach er alles ab, nahm keine Hormone mehr, ging nicht mehr zur Psychologin. Doch der Weg war nicht zu Ende. E. drehte eine Warteschleife, machte alles nochmal mit, was er schon so gut kannte. Die Ängste, die Selbstzweifel, die Selbstverleugnung. Die Frauenkleider wanderten wieder einmal in den Müll. Ein Jahr tauchte E. in der eigenen Gefühlswelt ab. Nun ist er wieder aufgetaucht. Vor vier Wochen habe er mit der zweiten Hormonbehandlung begonnen und hält Ausschau, in der die Geschlechtsumwandlung unwiederruflich vollzogen wird.

Natürlich ist das auch mit vielen Ängsten und mit noch mehr Aufwand verbunden. Allein der Streit mit den Kostenträgern füllt schon einen Hefter. Das ist E. egal. Das schaff ich schon“, betont die resolute Frau in ihm. Was ihm wichtig ist: Anerkannt zu werden und vielleicht auch anderen Transsexuellen Hoffnung zu machen. Vor einigen Jahren noch war Homosexualität der Normbruch. Daran hat man sich mittlerweile auch in der Provinz gewöhnt. „Warum nicht auch an Transsexuelle?“, fragt er. Denn eins ist klar: E. möchte auch weiterhin sein Klingelschild in Lüdenscheid haben. Auch wenn E. irgendwann nur noch für Evelyne steht. Wenn er auch als Mann in sich nicht zu Hause war. „L.war immer meine Heimat. Hier will ich bleiben.“

Top