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Der Trans*-Weg

Der transsexuelle Weg

von Christina

Selten ist der Weg zum Wunschgeschlecht einfach, meist ist er steinig und mit vielen Schwierigkeiten behaftet. Und es ist ein sehr, sehr langer Weg, bis man endlich an seinem Ziel angekommen ist!

Bei vielen Betroffenen ist der Wunsch, im anderen Geschlecht zu leben, seit der Kindheit tief verwurzelt. Aus Angst, erkannt zu werden, schweigen viele Betroffene oft über viele Jahre, bis letztendlich der Druck zu groß wird. Das gipfelt entweder darin, sich zu seinem Wunschgeschlecht zu bekennen, also zu „outen“ oder nicht selten in einem Suizid.

Wenn erst einmal der ´große Schritt´, das „Coming out“ getan ist, wird vieles einfacher, aber auch vieles komplizierter. Einerseits weicht der Druck, sich nicht mehr ständig verstellen und verstecken zu müssen, zum anderen ist die Zeit da, sich mit seinem gewünschten Leben in der neuen, gegengeschlechtlichen Rolle zu arrangieren und damit offen umzugehen. Das kann bisweilen problematisch sein, wenn Familie und Freunde, Arbeitskollegen oder Arbeitgeber mit dieser Thematik nicht umzugehen vermögen oder es nicht wollen. Schlichtweg Unkenntnis und Berührungsängste, aber auch religiöse Gründe und konservative Ansichten führen zu Ausgrenzung und Diskriminierung. Aber es geht auch anders, und so stehen auch viele Familien und Freunde hinter den betroffenen Personen und unterstützen diese!

Wie es nach dem Outing weiter geht, ist oft unterschiedlich, von Region zu Region und Bundesland zu Bundesland. Viele Betroffene gehen ihren Weg systematisch und geduldig an, gehen Schritt für Schritt vor, andere versuchen, alle Schritte schnellstens hinter sich zu bringen – was auch verständlich ist, denn man fühlt sich im angeborenen Körper nicht wohl und möchte lieber alles auf einmal hinter sich bringen. Das ist aber leider nicht möglich, weder in rechtlicher, noch in medizinischer Hinsicht.
Zuerst ist es sinnvoll, sich einen Psychotherapeuten zu suchen, der mit dem Thema Transsexualität was anfangen kann. Hat man den gefunden, sollte man sich auch von ihm über das weitere Verfahren beraten lassen und die Therapie nutzen, um sich der eigenen transsexuellen Gefühle zu versichern, aber genauso auch kritisch zu hinterfragen. Zweifel und Unsicherheiten sind erlaubt und auf jeden Fall wichtig, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Denn viele Entscheidungen auf dem transsexuellen Weg lassen sich nur schwer bis gar nicht mehr rückgängig machen. Die individuellen Wünsche und Ziele müssen mit Bedacht mit der realen Lebenssituation in Einklang gebracht werden. Auch hierbei hilft dein Therapeut, wenn du offen und ehrlich zu ihm bist. Im Rahmen der Psychotherapie müssen Betroffene den sogenannten „Alltagtest“ (teils auch „langzeitliche Erprobung“ genannt) durchlaufen,  d. h. in der Gesellschaft in der neuen Geschlechterrolle auftreten. Damit soll in psychotherapeutischer Begleitung festgestellt werden, ob die Person in ihrem Wunschgeschlecht in der Öffentlichkeit/Gesellschaft und im privaten Umfeld leben kann bzw. zurecht kommt – auch mit sich selbst. Die psychotherapeutische Begleitung umfaßt in der Regel die Dauer einer Kurzzeittherapie mit 25 zu absolvierenden Sitzungen, kann aber bei Bedarf auch länger dauern. Die Begleitung erfolgt durch einen psychologischen Psychotherapeuten, dessen Abschlußbericht auch mit in die Indikation zur gaOP einfließt..

Sobald man sich seiner Identität sicher ist und der Therapeut es befürwortet, ist es sinnvoll, sich bei Gericht um den Antrag auf die Änderung des oder der Vornamen/s (VÄ) und des Personenstandes (PÄ) zu bemühen. Das war bis vor Kurzem noch nicht möglich, denn § 8 Transsexuellengesetz (TSG) sah eine Personenstandsänderung erst dann vor, wenn nach einer erfolgten geschlechtsangleichenden Operation (gaOP) eine dauerhafte Zeugungsunfähigkeit vorlag. Seit dem Gerichtsbeschluß des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) Aktenzeichen, 1 BvR 3295/07 vom 11.1.2011 ist es Betroffenen möglich, unter den Bedingungen der Vornamensänderung den Antrag auf Personenstandsänderung zu stellen.

Ist der Antrag bei Gericht eingereicht, heißt es erst einmal warten, denn zwischenzeitlich bestimmt das Gericht mindestens zwei Gutachter, die über Wohl und Wehe entscheiden. Das dauert seine Zeit.
Die Betroffenen müssen dann in ein bis mehreren intensiven Gesprächen mit den Gutachtern zweifelsfrei beweisen, dass sie mindestens seit drei Jahren unter dem Zwang stehen, im anderen Geschlecht leben zu müssen. Danach gibt es noch eine gerichtliche Anhörung, wo noch einmal Rede und Antwort zu stehen ist. In Folge der Anhörung ergeht der Gerichtsbeschluß, der sich auf die Gutachten und das Gespräch mit dem Gericht stützt. Die Dauer eines Transsexuellenverfahrens kann von einem halben Jahr bis zu anderthalb Jahren betragen, ggf. auch länger. Eine Richtlinie gibt es hier wie auch bei anderen Belangen nicht.

Im Laufe des Gerichtsverfahrens zu VÄ/PÄ kommt es zu den (beiden) Gutachten, die eigentlich die erste amtliche Bestätigung darstellen und wo festgestellt wird, dass „sich ihr/sein (d. Betroffene) Zugehörigkeitsgefühl zum weiblichen/männlichen Geschlecht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird“. Diese Gutachten ebnen Wege und ermöglichen, als Transsexuelle/r anerkannt zu werden und seinen Weg weiter zu gehen.

Wenn (im Rahmen des Gerichtsverfahrens VÄ/PÄ) endlich ein Gutachten vorliegt, welches die Hormonersatztherapie* (HET, engl. HRT) indiziert (nicht alle Mediziner bestehen darauf), wird die gegengeschlechtliche Hormontherapie eingeleitet. Damit gehen in der Regel ausführliche Voruntersuchungen einher. Die Verabreichung der Hormone wird dann lebenslang erfolgen! Damit tritt auch eine Verweiblichung bzw. Vermännlichung ein, was aber mehrere Jahre dauern wird. Bei FzM ist die Wirkung der HET meist intensiver und bewirkt schneller deutliche Veränderungen als bei MzF. Eine Veränderung bzw. Angleichung des Aussehens bei MzF beansprucht viel Zeit, und es sind keine Wunder zu erwarten! Nach einer Dauer der HET von mindestens sechs bis neun Monaten (abhängig von der Krankenkasse) kann dann der Antrag auf die Kostenübernahme für die gaOP bei der Krankenkasse eingereicht werden.
Ist das Transsexuellenverfahren zur Vornamens-/Personenstandsänderung abgeschlossen und der Gerichtsbeschluß rechtskräftig, gilt es, alle Personaldokumente wie z. B. die Geburtsurkunde zu ändern, das Auto umzumelden, alle Versicherungen, Konto usw. auf den neuen Namen umschreiben zu lassen. Nicht zuletzt können alle Zeugnisse von Berufsausbildung, Studium, alle Arbeitszeugnisse und Beurteilungen auf den neuen Namen umgeschrieben bzw. neu ausgestellt werden (vgl. Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Hamm vom 17.12.1998 – Aktenzeichen: 4 Sa 1337-98 (DKZ 332-Zeugnisänd-2012)). Diese ganze Umstellung ist zwar sehr kosten- und zeitintensiv, in der Regel aber nicht sehr kompliziert.

Ist der Antrag für die Kostenübernahme auf die gaOP gestellt, hat der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) noch Fragen. Es wird erneut untersucht, körperlich wie geistig. So wird auch eine psychiatrische Untersuchung angestrengt, um wiederum sicherzustellen, dass die Person auch an ihrer gewünschten Geschlechterrolle festhält und ggf. weitere psychische Erkrankungen den Betroffenen nicht in der Weise beeinflussen, dass er seine Entscheidung später wahrscheinlich rückgängig machen wollen wird. So wird durch den MDK geprüft, ob alles ´in Ordnung´ ist und erst dann die Indikation zur „großen OP“ erteilt.

Das ist aber ein kann und kein muß, es gibt auch Zusagen ohne den MDK, aber es muß damit gerechnet werden. Der MDK trifft nicht die letztendliche Entscheidung, sondern die KK selbst, sie nimmt den MDK in Anspruch um sich abzusichern.

Je nach dem, ob es sich von Mann zu Frau oder Frau zu Mann handelt, sind die Operationen unterschiedlich, in der Schwere wie in der Anzahl. Während – sofern keine Komplikationen auftreten – bei einer Mann-zu-Frau-Transsexualität zwei Operationen meistens ausreichen, sind es bei Frau zu Mann in der Regel 4 – 6 Operationen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.
So sind jetzt knapp zwei bis fünf Jahre vergangen, und die geschlechtsangleichende Operation ist vorbei, alles ist verheilt. Aber trotzdem ist es notwendig, zeitlebens Hormone einzunehmen, um im wunschgemäßen Körper weiterleben zu können.

Copyright christina@transfamily.de

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