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Der Weg zu mir selbst

Der lange Weg zu mir selbst

von Kleines Monster

An meine Geburt habe ich natürlich keine Erinnerung aber auch an meine Zeit als Kleinkind nicht.
Ich weiß nur das, was mir später erzählt wurde. Meine Geburt war nicht außergewöhnlich, ich kam auf natürlichem Wege als Mädchen zur Welt. Wuchs normal auf, meine Eltern ließen mir die Haare lang wachsen, aber ich wollte sie mir nicht kämmen lassen. Und so wurden sie, kurz bevor ich in den Kindergarten kam, abgeschnitten. An den Kindergarten habe ich weder positive noch negative Erinnerungen. Meine Mum sagt, ich war nicht oft da. Hatte keine Lust. – Ich war als Kind sehr trotzig.

In unserer Nachbarschaft wohnten fast nur Jungs, mit denen ich oft spielte.
Meistens spielten wir Fußball, irgendwann sind die Jungs in den Verein gegangen und ich durfte nicht, weil ich ein Mädchen war. … Zum ersten Mal trat der Wunsch, ein Junge sein zu wollen, in den Vordergrund. Natürlich wurde das nicht ernst genommen. Die Jungs wollten mir auch alles beibringen, was sie lernten, aber es war nicht mehr dasselbe.

In der Schule hatte ich kaum Freunde, wurde oft komisch beäugt.
Ich war anders, aber ich wusste nicht warum. Ich lehnte schon immer alles Weibliche an mir ab, damals vermutlich unbewusst.
Es fing schon bei meiner Einschulung an. Da gab es diese orangenen Schulanfänger-Kappen … und für Mädchen gab es orangene Kopftücher. – Ich habe so lange gezetert, bis ich eine Kappe bekam!

Dann erinnere ich mich noch an den Bastelunterricht in der Grundschule.
Ich glaube, die Jungs haben irgendwas aus Holz gebaut und die Mädchen mussten was mit Sicherheitsnadeln basteln, ich weiß nicht mehr was. Ich habe mich gewehrt, leider erfolglos.

Dann hatten wir Früh-Englisch, wir mussten aus einem Stapel mit Namen beschrifteter Karten eine ziehen. Darauf stand der englische Name, mit dem wir im Unterricht angesprochen wurden. Ich zog: Mary! Aber ich wollte nicht Mary heißen!
Na gut, ich durfte mir einen anderen aus dem Stapel aussuchen.
Ich wählte „Jackie“, denn ich fand das könnte genauso gut ein Männername sein.

Auch der Schwimmunterricht gehörte zu meiner Grundschulzeit.
Ich bin, solange es ging, nur in Badehosen schwimmen gegangen. Nicht in Bikini-Hosen, NEIN, ich wollte Badehosen für Jungs!
Tja, gegen Ende der Grundschulzeit fing es „obenrum“ an zu wachsen ……. und meine Mum kaufte mir einen Badeanzug. In diesem schwamm ich also im Schwimmunterricht im Becken rum, unsere Lehrer standen am Beckenrand, zeigten mit dem Finger auf mich, redeten und lächelten. Vermutlich dachten sie: Jetzt hat sie wohl doch endlich kapiert, dass sie ein Mädchen ist.
Ich war sauer, ich hasste den Badeanzug; ich hasste es, ein Mädchen zu sein!

 

In Bezug auf Badehosen fallen mir noch 2 Erlebnisse ein:

Ich war am Wochenende oft bei den Kindern eines Kollegen meines Daddys.
Mit dem Sohn spielte ich oft Soldaten. Die hatten ein kleines Schwimmbad, wo wir oft drin waren. Irgendwann, als es also spross, wollte die Mutter von Toby, dass ich mir ein Oberteil anziehe. Das wollte ich aber nicht, also sagte sie es meiner Mum.
Ich ging von da an einfach nicht mehr hin. Habe mir aber hinterher nie Gedanken drüber gemacht warum. …. Es war wohl einfach vorbei für mich, und es war o.k.

 

Dann fällt mir noch eine Geschichte an einem Badesee ein, wo ich, trotz meiner sprießenden Dinger, in Badehosen auf meiner Luftmatratze rumpaddelte. – Auf dem Bauch liegend.
Ich spielte dort mit einem Mädchen, sagte ihr, ich hieße Tom, gab mich als Junge aus. Ich ließ mich mit dem Rücken zu ihr von der Luftmatratze gleiten, und ging so in die knie, dass sie mich nur bis zu den schultern sehen konnte. Ob sie was bemerkt hat, weiß ich nicht, gesagt hat sie jedenfalls Nichts. – Mir hat’s gefallen!

 

Vielleicht sollte ich mal etwas über meine Familie erzählen:
Meine Eltern haben mich liebevoll großgezogen, sie haben meinen Wunsch, ein Junge zu sein, nicht ernst genommen. Als ich 9 war, bekam ich eine Schwester.
Zu den Eltern meines Daddys hatte ich nicht viel Kontakt, ich hatte immer das Gefühl, dass meine Oma meine Cousinen lieber hatte als mich. Das ist auch heute noch so.
Mein Opa war ganz anders, aber leider konnte ich ja nicht nur ihn besuchen.
Meine Oma erzählte immer, was sie meinen Cousinen alles für Wünsche erfüllte.
Ich habe mir mal ein Skateboard gewünscht, weil alle Jungs in der Nachbarschaft eins hatten.
Sie sagte, das sei nichts für Mädchen. Stattdessen bekam ich ein Paar selbstgestrickte Socken, die mir zu klein waren.

Die Eltern meiner Mama liebte ich. Sie hatten ein Raiffeisenlager, ein großes Grundstück, Hühner, … es war für mich ein Paradies.
Meine Oma, genannt Mutti, hatte ich über alles lieb, sie war die beste Oma, die man sich nur denken kann. Leider ist sie viel zu früh an Krebs gestorben.
Mein Opa, genannt Vadder, war 70 Jahre lang bei der Feuerwehr. Er wünschte sich immer einen Enkelsohn, aber der wurde erst nach seinem Tod geboren. Solange diente ich gerne als Ersatz. Er behandelte mich wie einen Jungen, was mich sehr glücklich machte.

Da ich schon immer alles Weibliche an mir ablehnte, lehnte ich es natürlich auch ab, Röcke zu tragen. Auch dazu fallen mir 2 Erlebnisse ein:

Ich schätze, ich war 6 oder 7, war mit meinen Eltern bei Mutti und Vadder zu Besuch. Eine Großtante hatte ein Geschenk für mich gebracht, ein Kleid. Mutti und Mum waren entzückt.
Ich habe mich mit Erfolg geweigert es jemals anzuziehen.

Und dann in der Gesamtschule. wir waren im 6ten Schuljahr, sollten bei der Einschulung der neuen 5ten einen Tanz aufführen. Die Jungs sollten weiße Hemden und schwarze Hosen anziehn, die Mädchen schwarze Röcke. Ich sagte, dass ich keinen Rock anziehen werde, und auch gar keinen besitze. Daraufhin zitierte mich unsere Lehrerin am nächsten Morgen nach vorne, packte einen schwarzen Rock von sich aus, und ehe ich mich versah hielt sie ihn vor mich und fragte meine Klassenkameraden, ob das nicht gut aussehen würde. Sie grinsten, sagten ja. … Ich war sauer und beschloss an besagtem Tag krank zu sein!

Während meiner Gesamtschulzeit ging ich sehr offen damit um, ein Junge sein zu wollen. Ich hatte nach wie vor kaum Freunde, fühlte mich anders als die Anderen. So konnte ich mit den Mädelsgesprächen nichts anfangen. Ich interessierte mich nicht für Pferde, Schminken, Popstars und auch nicht für Jungs; die sah ich als Kumpels. … Die wollten mich aber auch nicht dabei haben, weil ich ein Mädchen war, ein eigenartiges noch dazu.
Das Ganze gipfelte darin, dass ich zu meinen Lehrern sagte, sie sollten mich Tom nennen. Den Namen fand ich damals ganz toll. Natürlich nannte mich keiner so. Stattdessen fragten sie meinen Daddy, der dort Lehrer war, was mit seiner Tochter los ist. Nun machten sich meine Eltern doch Gedanken. Hatten Angst, ich könnte lesbisch sein. – Dabei wollte ich doch nur ein Junge sein!

Tja, ich war also ein Einzelgänger, der nicht wusste wer er ist … und folglich auch wenig bis gar kein Selbstbewusstsein hatte. Ich trug schon immer burschikose Klamotten und hatte einen jungenhaften Haarschnitt. Und ich fühlte mich begafft, wie ein Tier im Zoo.

Während dieser Zeit wollte ich Vadder nacheifern und wollte in die Jugendfeuerwehr. – Doch wieder mal hieß es: keine Mädchen! Ich hasste es, ich fühlte mich noch nie wie eins!

Als mein Kinderrad zu klein wurde und ich ein neues brauchte, da gab es Stunk mit meinem Daddy. Wir waren im Baumarkt, wo es ein Damenrad im Angebot gab. Direkt neben diesem Rad stand ein Rennrad. Ich war hin und weg, natürlich hatte es einen Herrenrahmen. Ich wollte dieses und kein anderes. … Was bekam ich nach endloser Diskussion? – Klar, das Damenrad, weil ich ja ein Mädchen war…
Ich habe es so lange gefahren, bis mein Erspartes für ein Herren-Moutainbike gereicht hat.

Ansonsten mache ich seit Kindertagen Modellbau.

Nach der Gesamtschule ging ich auf die Fachoberschule, wo sich ein junger Mann für mich interessierte. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte das Gefühl, mich fügen zu müssen. – Wenn auch widerwillig. Vielleicht auch meinen Eltern zuliebe..
Der Gedanke an Trans kam mir damals nicht, obwohl mich seit Jahren ein Traum begleitete: Ich träumte, ich sei ein Junge, gefangen in einem weiblichen Körper.
Das schöne an dem Traum war, dass ich jedes Mal befreit wurde.

Trotzdem fing ich eine Beziehung mit diesem Mann an, die aber daran scheiterte, dass ich nicht von ihm angefasst werden wollte. Schon gar nicht an den lästigen Dingern, oder noch tiefer!
Meine Eltern sagten, es war halt nicht der Richtige. Mir war’s egal, ich war wieder alleine, fühlte mich wie befreit … und wusste nicht warum.
Na ja, ich war abgelenkt, fing eine Ausbildung an, war ehrenamtlich beim DRK, hatte nicht viel Zeit zum Nachdenken.
Bis ich beim DRK Kai kennenlernte.
Wiedermal war es so, dass er auf mich zukam, ich hatte nämlich kein Bedürfnis auf Männer zuzugehn.
Mit Kai ging es länger gut, was daran lag, dass er Komplexe wegen seines, wie er sagte, „zu kleinen Freundes“ hatte. Da dauerte es lange, bis er mehr wollte. Solange waren wir Kumpels, haben viel unternommen. Ich habe mir solange eingeredet, dass ich ihn liebe, bis ich es geglaubt habe. Dann wollte er Sex … und ich wollte nicht. Es war wie eine innere Blockade. Ich wollte da nicht angefasst werden. Er ließ mich sitzen.

Danach dachte ich zum ersten Mal ernsthaft drüber nach, ob ich normal bin. Ich bekam Angst.

Aber ich bekam auch ein kaputtes Knie, musste mehrmals operiert werden, wodurch das alles in den Hintergrund rückte.
Mit den Jahren wurde meine Kleidung männlicher. Ich kaufte Army-Klamotten, um mit dem Hund rauszugehn, aber ich hätte sie gerne auch so getragen.
Ich fing an, sportlich-herbe Duschgels zu benutzen, und Männer-Deo.
Meine Mum sagte oft, ich soll mich doch mal etwas weiblicher geben. Auch wollte sie mich öfter mal schminken. Ich weigerte mich.
Immer wieder fragte ich mich, ob ich normal bin. Das Gefühl ein Mann sein zu wollen, war mir trotzdem nicht bewusst, obwohl ich ja wie einer lebte.

Das änderte sich erst, als meine Schwester mich verkuppeln wollte.
Sie machte inzwischen eine Ausbildung zur Kosmetikerin, und lag mir also auch oft in den Ohren mit Schminken und Nagelmodellage. – Vergeblich.
Sie hatte sich ausgedacht mich mit einem Bekannten von ihr zu verkuppeln, der mich mal gesehen hatte, als ich sie auf der Arbeit besuchte.
Sie gab ihm meine Handynummer, ohne mich zu fragen.
Er rief dann jeden Abend an, oder schrieb sms. Meine Mum und sie waren voller Hoffnung. 5 Jahre war ich seit Kai alleine gewesen, was mich nicht störte.
In meinem Kopf tobte ein Gedankenkampf!
Da war der Gedanke mich zu fügen, es zu probieren, aber gleichzeitig wusste ich, dass ich um alles in der Welt keinen Sex will.
Ich war kurz vorm Durchdrehen! Arbeitslos, viel Zeit zum Nachdenken … und er ruft jeden Abend an.

Mein erster klarer Entschluss war: Ich will ihn loswerden!
Dann dachte ich wieder drüber nach, wer oder was ich eigentlich bin.
Mir wurde klar, lesbisch bin ich nicht, denn ich liebe als Frau keine Frauen.
– Als Frau?
Fühle ich mich wie eine Frau? Nein.
Habe ich es jemals getan? Nein.
Fühle ich mich wie ein Mann? – Hm, … ja, eindeutig!

Ich habe mich vor den PC gesetzt und bei google den Begriff >Transsexualität< eingegeben.
Über verschiedene andere Seiten bin ich an die HP von transfamily gekommen.
Dort habe ich mir alles durchgelesen; meine Eltern waren im Urlaub, ich hatte Ruhe. Vieles in den Steckbriefen und Erlebnissen der anderen kam mir bekannt vor. Mir fielen immer mehr Dinge wieder ein, die in meinem Leben passiert sind. Mir war plötzlich alles klar, alles ergab einen Sinn.
Ich wurde mir immer sicherer Trans zu sein, mittlerweile bin ich mir 100% sicher!
Outing
Nun wusste ich also, was mit mir los ist. Und plötzlich hatte ich das Bedürfnis zu reden. Sollte es doch jeder wissen! Ich hatte mich nach 29 Jahren endlich selber gefunden, ich war erleichtert, tierisch happy!
Da war ja immer noch der lästige Typ. Ich sagte ihm klipp und klar die Wahrheit. Er sagte was von, … na ja, hätte er sich schon gedacht … und ich war ihn los.
Als Nächstes sagte ich es meiner Schwester. Der sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen, aber es ist o.k. für sie.
Meine Eltern habe ich im Urlaub angerufen und es meiner Mum gesagt. Sie sagte, sie hätte damit kein Problem. Mittlerweile freundet sie sich immer mehr damit an, sie sagte letztens zu mir, dass ich bestimmt mal ein hübscher junger Mann werde. Das hat mich sehr glücklich gemacht!
Mein Daddy tut sich noch etwas schwer, aber mittlerweile weiß er, dass er es mir nicht mehr ausreden kann. Er redet zwar noch nicht mit mir drüber, aber meine Mum hat mit ihm gesprochen, und beide haben mir das versprechen gegeben, mich zu akzeptieren wie ich bin und mich auf meinem Weg zu begleiten.
Meine Freunde sagen auch, dass es für sie o.k ist.

Leider tun sich immer noch fast alle schwer, mich mit meinem neuen Namen anzusprechen. …
Mein weiblicher Name macht mich krank.

Das soll mein Weg sein:
Ich werde die psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, ein bisschen professionelle Rückendeckung schadet schließlich nicht 😉

Ich will möglichst bald Testo.
Und dann die Mastektomie, weil meine Dinger leider sehr groß sind..

Dann die Hysterektomie. Über Penoidaufbau denke ich noch nach, das lasse ich auf mich zukommen.

Natürlich will ich die Namensänderung, und auch die Personenstandsänderung.

Ich will wieder arbeiten und werde meinem Arbeitgeber gegenüber gleich ehrlich sein. Ich möchte nie wieder Versteck spielen müssen. Ich bin ein Mann – und das will ich auch öffentlich zeigen.

Ich will einen durchtrainierten Körper, bin der Sportsucht verfallen und bin fast jeden Tag im Studio.
Außerdem fahre ich Mountainbike und möchte nächstes Jahr an wenigstens einem Rennen teilnehmen.
… als Mann!!

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