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TM-Hetero

Eine Transmann Hetero-Partnerschaft

von Stephan

Eigentlich habe ich nie etwas anbrennen lassen. Aber man wird ja mit der Zeit klüger und vernünftiger. Also hatte ich mir fest vorgenommen, nie wieder etwas mit einer Frau anzufangen, die schon vergeben ist.
Dann kam ich in meiner Heimatstadt Naumburg ins Krankenhaus zur Hysterektomie.
Da saß ich morgens um kurz nach 6 Uhr noch halb verschlafen in der Anmeldung und fragte mich, was mich wohl die nächsten Tage erwartet.
Plötzlich betrat eine sehr nett aussehende, junge Frau die Anmeldung. Wir saßen uns gegenüber und beobachteten uns gegenseitig. Jedes Mal, wenn wir uns dabei erwischten, mussten wir grinsen.
Ich war vor ihr dran und ging wieder in Richtung Station, wo ich die üblichen Fragebögen ausfüllen musste.
Wieder kam kurz nach mir die junge Frau und sah mich sehr verwundert an, was ich wohl auf der Gyn zu suchen hätte.
Ich hatte ja gehofft, dass wir in das gleiche Zimmer kommen, aber leider bekam ich ein Einzelzimmer.
Wir trafen uns dann später auf dem Flur, unterhielten uns eine Weile, und weil sie mich noch immer so verwirrt ansah, hielt ich es für angebracht, sie über meine Person aufzuklären. Abends kamen dann ihr Mann und ihre Kinder zu Besuch. Da hatte ich innerlich das Thema als erledigt betrachtet, denn gegen diesen gutaussehenden Mann ging ich eh nur als Witzfigur durch. Am übernächsten Tag wurde ich erst einmal entlassen, weil die Hysterektomie noch um ein paar Tage verschoben wurde und ich dachte nicht weiter über diese Frau nach, denn die war ganz offensichtlich nicht für mich bestimmt. Um so überraschter war ich, als ich in der darauffolgenden Woche im Krankenhaus Besuch bekam.

Kurz und gut, wir trafen uns nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen war, hin und wieder, sind mal zusammen ins Kino gegangen und es entwickelte sich daraus eine gute Freundschaft.
Sechs Wochen später allerdings, stand Sylvia eines Abends mit ihrer Reisetasche vor der Tür und fragte mich, ob sie bei mir bleiben könnte.
Ich hatte zwar nur eine kleine 1-Raum-Wohnung, aber es ging schon für den Anfang.
Einige Zeit später zog ihr Sohn auch noch mit in die kleine Wohnung und für 2 Katzen und einen Wellensittich fand sich auch noch ein Plätzchen.
Inzwischen sind wir in eine größere Wohnung gezogen und haben jetzt auch meinen Sohn bei uns.
Eben eine ganz “ normale“ Familie.

Natürlich hat es auch Probleme gegeben. Ich habe mich anfangs schon sehr unwohl gefühlt, da ich noch keine Brust-Op hatte und mich mit meinem Körper nicht identifizieren konnte. Aber ich denke, wenn die „Chemie“ passt, sind das alles lösbare Probleme.

Es ist auf jeden Fall immer einen Versuch wert!

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