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Wie reagieren Kinder?

Wie reagieren die Kinder?

von Carlo

Die Vorgeschichte

Nach meinem gründlichen psychischen Zusammenbruch im Alter von 23 Jahren ha-be ich dringend nach einem Sinn für mein in meinen Augen sinnloses Leben ge-sucht. Ergebnis der Suche:

Nur Kinder können meinem Leben einen Sinn geben.

Ab diesem Zeitpunkt setzte ich alles daran, so schnell und unkompliziert wie möglich zu einem bzw. mehreren Kindern zu kommen. Es war großes Glück, dass ich ausge-rechnet meinen Mann kennen lernte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die all meine „Verrücktheiten“ so ruhig mittragen würden. 1986, 1988 und 1990 wurden unsere Kinder geboren.

Von Anfang an habe ich versucht, meine Kinder als gleichberechtigte Partner in un-serer Familie zu behandeln – natürlich mit Rücksicht auf das jeweilige Alter. Da Ge-fühle im Leben der Menschen sehr wichtig sind – auch Ausgangspunkt für viel Ärger sein können – bemühte ich mich, meinen Kindern meine Gefühle zu zeigen, auch zu erklären. Durch diese Offenheit wuchsen sie auch damit auf, dass ihre Mutter Frauen liebt, aber den Papa trotzdem mag. Sie kannten bzw. kennen meine Freundinnen und Freunde, unter denen auch viele Lesben und Schwule sind. Also beste Voraus-setzungen für ein weiteres Outing.

Trotzdem waren es gerade die Kinder, die mich sehr lange zögern ließen, den für mich wichtigen Schritt zu gehen. Mir war klar, dass nicht ich einen Alltagstest beste-hen muss, sondern meine Umgebung und da in erster Linie meine Familie, meine Kinder.

Die Neuigkeit

Meine damals 13-jährige Tochter war die Erste in der Familie, die ich in meine Pläne einweihte. Beim Chatten mit anderen Transmännern stand sie neben mir. Dabei gab ein Wort das andere. Nach ca. 5 Minuten meinte sie nur ganz lapidar: „Das wissen wir doch schon lange, dass du lieber ein Mann sein willst.“ Abends holte sie sich ihre Matratze in unser Schlafzimmer und wir redeten noch lange darüber, was jetzt auf mich, auf uns zukommt. Sie wünschte mir, dass ich ab meinem nächsten Geburtstag endlich so leben könne, wie ich es gerne möchte.

Der Große (knapp 15 Jahre) ist nicht so gesprächig. Da mir die TM’s schon mal ge-holfen hatten, nahm ich auch für ihn den wöchentlichen Chat zum Anlass, um ihn „aufzuklären“. Sein einziger Kommentar dazu: „Aber suche dir einen anderen Namen – Carlo ist blöd.“ Ich versprach, dass er bei der Namenssuche behilflich sein könnte, wenn es überhaupt mal dazu kommt.

Den absoluten Vogel schoss der Jüngste (11 Jahre) ab. Ich sagte ihm, dass ich zu einer Selbsthilfegruppe wolle. Daraufhin er völlig entgeistert: „Was willst DU bei so einer Gruppe?“ Ich antwortete, dass ich nach Möglichkeiten fragen wolle, wie aus mir auch äußerlich ein Mann werden könne. Und er: „Aber operieren lässt du dich erst, wenn ich 18 Jahre alt bin!“ Ich war mehr als verblüfft. Auf Nachfrage stellte sich her-aus, dass er vor einiger Zeit eine Sendung im Fernsehen gesehen hatte. Er konnte sehr genau erklären, was die Krankenkassen bezüglich des Penisaufbaus gewillt sind zu bezahlen und was nicht.

Der erste Schritt war getan und niemand hatte sich abgewandt.

Episoden am Rande

Meine Tochter hatte Jugendweihe. Rücksichtsvoll fragte ich, ob ich als ihre Mutter ein Hemd anziehen dürfte. Rückfrage ihrerseits: „Was denn sonst oder wolltest du dich verkleiden?“

Nach den ersten Hormonspritzen fragte der Jüngste: „Wenn du die Hormone eine Weile bekommen hast, interessierst du dich dann auch für Fußball?“

Bisher gibt es in unserer Familie keine Änderungen. Die äußerlichen Änderungen geschehen ja so, dass jeder fast unmerklich in die neue Situation hinein wachsen kann. Ich hoffe, dass es auch so bleibt.

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