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Wie sage ich es nur …

Wie sag ich es nur meinen (m) Kind (ern) ?

von Christoph
Für Kinder ist es absolut nebensächlich, sogar völlig unwesendlich, wie ihre Mamis und Papis aussehen oder heißen.
Egal ob dick, dünn, ob groß, ob klein, ob lange oder kurze Haare. Ob schick gestylt mit Dauerwelle und geschminkt oder ob unscheinbar und herb maskulin wirkend.

Nach den Erfahrungen mit meinen Kindern, bin ich mittlerweile zu der Meinung gekommen, daß ein Kind immer an seinen Eltern festhalten wird. Die bedienungslose Liebe eines Kindes zu seinen Eltern wird immer bestehen bleiben. Ganz gleich in was für einer Lebenssituation. Ich persönlich glaube das diese Art von Liebe von der Natur einfach so fest gelegt wurde. Wohl vielleicht zu den ältesten Urinstinkten zählt.

Gewiß gibt es auch leider Fälle in denen sich diese kindliche und unbedarfte Liebe in grenzenlosem Haß umwandelt. Weshalb und Warum läßt sich meist nur schwer nachvollziehen .Oft sind es schwere frühkindliche und traumatische Mißerfahrungen .Vielleicht entwickelten diese Kinder zunächst Angst vor ihren Eltern , was letzendlich eventuell zu uferlosem Haß gipfelte. Somit war das unbedarfte , natürliche Eltern-Kind-Verhältniss zerstört und aus seinen Angeln gehoben.

Von so einem Fall kann man bei dem Thema „Transidentität“ nicht sprechen. Nur weil ein Elternteil „Trans“ ist, gibt es für das Kind keinen Grund seine Mutter oder seinen Vater zu hassen.
Nicht akzeptieren können weil nichts erklärt wurde weshalb gewohntes plötzlich ungewohnt wird, trifft hier wohl eher zu. Wenn man als Transelternteil aber vernünftig , einfühlsam und offen gegenüber dem Kind mit dem Thema um geht, kann es viele Ängste und Sorgen im Vorfeld abbauen.
Je mehr Verständnis man dem Kind entgegenbringt weil es sich schwer tut mit dem verstehen oder umstellen um so freier und gelöster wird die Veränderung an Mama oder Papa akzeptiert. Je mehr Vertrauen man dem Kind entgegenbringt um so mehr Vertrauen gibt einem ein Kind zurück. Und aus was für einem Grund sollte ein ohnehin gutes Eltern-Kind-Verhältniss plötzlich gestört werden , nur weil ich mich dem Kind gegenüber öffne oder erkläre.. In einigen Fällen entwickelte sich eben deshalb erst ein noch innigeres Eltern-Kind-Verhältnis ..
So mancher Transident hat sich nach seinem Comingout vor den Kindern gewundert wieviel an Verständnis ihm/ihr Plötzlich entgegenkam.

Die größte Hemmschwelle, denke ich beim CO, ist und bleibt wohl das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern gepaart mit den ohnehin schon schweren Selbstzeifel.
Auseinandersetzungen mit dem Partner oder den eigen Eltern sowie Schwiegereltern verstärken die Angst und Scheu .
Welcher Transident kennt sie nicht die sogenannten „guten“ Argumente der lieben Verwandten. Metaffern wie „Du bist egoistisch“ , „Du bist doch komplett verrückt“ oder gar „Du verbaust Deinen Kindern doch das ganze Leben“. Manchmal fallen im Streit oder im ersten Affekt sogar Sätze wie „Wenn Du je was tust dann nehme ich Dir die Kinder weg!“
Ich denke das genau dieser Ausspruch „dann nehme ich Dir die Kinder weg“ die meisten Transidenten in Panik versetzt Denn welcher Vater oder Mutter, der seine Kinder liebt , würde das je zulassen. Manch einer verzichtete aus Angst vor der Trennung der Kinder auf sein Leben und blieb so wie er/sie war. Einige verfallen in grenzenlose Verzweiflung und Depression . Für so manchen Transidenten führte dieses psychische Matyrium ,der Selbstzweifel,die Drohnung mit der Trennung von Kindern und Partner nur zu einem sinnvollem (?) Resultat. Suizid!
Kein Mensch kann mit Sicherheit sagen das die Geschlechtsumwandlung eines Elternteiles angeblich einem Kind schaden würde , weil es den moralischen Spagat weder verkraften noch verstehen würde.
Ich halte diese Aussage oder Einstellung für absoluten Humbug , denn ich habe gesehen und selbst mit erlebt an meinen Kindern das es klappt!
Anhanden von Alltagssituationen habe ich versucht mich meinen Kindern näher zu bringen und immer darauf geachtete das ich wenn ich etwas erklärte die Dinge für meine Kinder kindgerecht waren . Mit Situationen die sie selbst in ihrem jungen Leben schon einmal erlebt haben und somit nach empfinden konnte .Wie zum Beispiel das Unwohlfühlen in unangenehmer Kleidung oder das Gefühl von Einsamkeit weil man neu war oder zu niemanden paßt.
Ein Erlebnis mit meiner Großen (damals 5 Jahren) befreite mich von jeglichem Zweifel den Kindern etwas Schlimmes anzutun.
Wir sprachen beim Mittagessen über das Aussehen der Kindergartenmuttis von ihren Freundinnen .Die meisten von ihnen waren feminin , schick gekleidet und ebenso schick geschminkt. Ich dagegen mehr maskulin , immer sportlich Gekleidet und von burschikoser Natur. Sogar mein Name würde sich von Christina auf Christoph ändern.
Meine Große guckte mich daraufhin nur mit gerunzelter skeptischer Stirn an und meinte dann wie selbstverständlich :“ Na und ? Mir doch egal !.Hauptsache Du hast mich lieb !“
Mit dieser direkten, eigentlich sehr simplen , Antwort hatte ich so gar nicht gerechnet. Sichtlich erleichtert und gerührt von dieser kindlichen Zärtlichkeit schloß ich meine Große in die Arme. Ab diesen Zeitpunkt wußte ich 100% das ich im Herzen meiner Kinder immer ihre Mutter bleiben werde und sie mich nicht vergessen würden , selbst wenn mein Namen Christoph war , ich einmal Bartstoppeln im Gesicht habe und eine Brummelbärstimme bekam .
Im Laufe meiner Transformation ergaben sich immer wieder so kleine Situationen in denen ich mich immer wieder mehr über die unbedarfte und selbstverständliche Art und Weise meiner Kinder , mit dem Thema Trans um zugehen, wunderte. Hier war nun ich derjenige der lernte. Meine Kinder lernten mir durch ihre Natürlichkeit Gelassenheit und Ruhe und die einfachste These der Welt „Es ist nun mal so !“
Wie ist es Heute nach 3 Jahren ?
Ein Leben ohne meine Kinder könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Denn sie waren es meistens die mir in noch so dunklen Stunden immer wieder die Kraft und den Mut gaben weiter zu machen .Beständig bei der Sache zu bleiben. Das ich Heute so bin wie ich bin und vorher einmal Frau war ist in unseren Alltag ohne Schäden mit eingeflochten und eben eine tagtägliche Tatsache. Darin stört sich niemand und ich erzähle meinen Kindern deshalb immer noch gerne oder vielleicht eben gerade deshalb wie lebendig sie eins einmal waren als sie noch in meinem Bauch schliefen. Jedesmal ist ein wundervoller Anblick mit anzusehen mit was für tellergroße Augen und Ohren meine Zwerge bei mir kuscheln und alles haargenau verfolgen., wenn Christophpapa Babygeschichten erzählt. Es gibt mir eine tiefe innere Zufriedenheit .

Denn die These meiner Kinder heißt : Es ist so wie es ist! Meine Mama heißt Christoph!“

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